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Sind Sie schon neugierig geworden wie es bei uns im Laden aussieht? Dürfen wir Sie auf einen kleinen Ausflug in die Welt des Kaffees einladen?


Durch die Tür ins vorige Jahrhundert

Hamburg - Betörend frischer Kaffeeduft setzt sich schmeichelnd schon von weitem in der Nase fest. Am intensivsten wird er vor der schweren schwarzen Holztür, die einladend weit offen steht. "Burgs Kaffeerösterei" steht übergroß darüber. Ein Blick hinein versetzt ins vorige Jahrhundert: Alte Regale mit kleinen Schübchen, nostalgische Kaffeemühlen, Tassen, bunte Reklameschilder und Blechbüchsen - ein liebevolles Chaos, wohin das Auge reicht. Mit einem "Herzlich Willkommen" und freundlichem Lächeln kommt Jens Burg entgegen.

Die knarrenden Dielen ächzen unter der Last der vielen Menschen. Sie stammen noch aus der Zeit von 1923, als Vater Erich Burg den Laden eröffnete. Auch die dunklen uralten Regale, die bis an die Decke reichen, haben die Jahre überlebt. Dicht gedrängt stehen dort Teekannen, Marmeladen, Süßigkeiten, Kaffeedosen und vieles andere Nostalgische und Neue. Die verschiedenen Kaffeesorten lagern hinter dem Ladentisch in einer langen Reihe goldener und teils verglaster Kaffeeschütten mit kleinen Schaufelchen und Nostalgieknöpfen. Über hundert kleine Fächer sind mit Teesorten gefüllt.

"Da kann man sich ja gar nicht satt sehen", schwärmt Elke Paul aus Hamburg. Einer Freundin aus Aachen habe sie unbedingt den Laden zeigen müssen. "Einfach traumhaft." "Ich fühle mich wie ein Künstler am Ende seiner Laufbahn, dessen Bilder entdeckt werden." "Schön hier, was?"

Der Laden

Jens Burg, mittlerweile mit Schürze, taucht aus dem Gedränge auf. "Ich muss jetzt weiter machen. Der nächste Kaffee ist fertig geröstet", entschuldigt er sich. Und seinem zufrieden lächelnden Gesicht ist anzusehen, dass er in seinem Element ist. Er zieht einen langen runden Stab aus dem silbernen mit vielen Kurbeln und Rädchen bestückten Trommelröster. Vorn in einer kleinen Kerbe liegen die hellen Bohnen. "Beim Rösten kommt es ziemlich genau auf den Punkt an. Wenn die Bohnen zu hell sind, schmeckt der Kaffee zu ehrlich. Sind sie aber zu dunkel, wird der Kaffee zu bitter."

Ganz selten, sagt er, verpasst er den richtigen Zeitpunkt. "Ich mache das schon über 30 Jahre. Das habe ich im Gefühl." Der 60- Jährige, in Jeanshose und Jeanshemd gekleidet ("Mein Markenzeichen"), wirkt zufrieden. Seine blauen Augen leuchten, wenn er sein Wissen über Kaffee mitteilt. Den Temperaturanzeiger am Röster hat er stets im Blick. "Bald sind die Bohnen fertig. Da muss ich schnell die alten hier rausholen", sagt er und greift mit seinen vom harten Arbeiten gezeichneten Händen in die sich ständig hin und her wälzenden Bohnen im riesigen Kühlsieb.

Die müssen jetzt raus, erklärt der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann und ist schon eifrig dabei, einen großen Leinensack an eine kleine Öffnung am Sieb zu halten. Mit einer kurzen Handbewegung öffnet er die Klappe, und der fertig gekühlte Kaffee fließt raschelnd in den Sack. Mit einem kräftigen Ruck löst er danach die Klappe am Röster und die dampfenden, duftenden dunklen Bohnen ergießen sich knackend im Kühlsieb, das quietschend seine Runden dreht. Es ist nahe der Maschine so heiß wie in der Sauna.

Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich hier stehen und rösten kann. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich hier stehen und rösten kann. 20 bis 25 Minuten dauert ein Röstvorgang bei rund 190 Grad. In dieser Röstkultur entwickle der Kaffee das feinste Aroma und verliere den größten Säuregehalt, erklärt Burg und lässt, während er spricht, die Bohnen durch die Finger rieseln. "Die Industrie röstet bei weit höheren Temperaturen, bei ca. 400-450°C werden die Bohnen in einer Heißluftspirale in wenigen Minuten gar geschossen" Der Unterschied zwischen seinem und dem Industriekaffee sei vergleichbar mit selbst gemachter und gekaufter Marmelade.

"Wir sind quasi eine Spezies, die fast ausgestorben ist. Wir haben überlebt, und seit gut sechs Jahren boomt der Kaffee wieder." Der Kaffeemeister weiß, dass er eine Marktnische ergattert hat, auch weil die Kunden bewusster geworden sind. "Gelingt es, bestimmte Nischen zu besetzten, vielleicht durch besonders pfiffige Lösungen oder wirkliche Dienstleistung am Kunden, kann ein kleines Unternehmen durchaus erfolgreich sein", bestätigt Olaf Roik, Handelsexperte des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). In den meisten Branchen sei das aber auf Grund vieler Großhändler sehr schwer. Kleine und mittlere Unternehmen verlören deshalb viel Umsatz und könnten sich nicht mehr halten. Insbesondere im Lebensmittelbereich gehe die Anzahl der Kleinhändler tendenziell zurück, unabhängig vom Standort. "Aber es gelingt immer mal wieder einem, auch in stark umkämpften Branchen zu bestehen", sagt Roik. Jens Burg ist einer davon. Auch deshalb wird das Gedränge in dem engen Laden immer größer. Besucher schieben sich aneinander vorbei, streifen sich, haben Sorge, nichts umzustoßen. Burg entschuldigt sich höflich und verschwindet flink im Gewühl.

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